iPad Pro 2018 oder Notebook?

Von |2018-11-26T17:43:34+00:00 6. November 2018|Technik|

Vor einigen Tagen ist das neue iPad Pro 2018 (*) vorgestellt worden. Bei den Preisen eines MacBook Air kommt die Frage auf, ob ein iPad Pro ein Notebook ersetzen kann. Schon vorab gesagt: Kann es, aber, je nach Anwendungsgebiet, mit Kompromissen (die auch positive Auswirkungen haben können). Ich besitze seit knapp einem Jahr das iPad Pro 10,5“ (*) mit Tastatur und Stift und möchte Euch aus Sicht eines Fotografen zeigen, was man damit machen kann oder genauer, was ich damit mache. Bereits seit einem Jahr habe ich unterwegs komplett auf ein Notebook verzichtet und war ausschliesslich mit den iPad Pro (und natürlich einem iPhone) unterwegs.

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Warum bin ich 2017 auf ein iPad Pro umgestiegen?

2017 bin ich von einem MacBook Air 11“ umgestiegen und hatte vor dem iPad Pro kurz überlegt, ob ich mir ein neues MacBook Pro anschaffe. Ich war der Meinung, dass ich ein Gerät brauche, mit dem ich unterwegs 4k Filme schneiden kann. Nachdem ich mir aber die Preise der MacBook Pros angeschaut habe, kam ich zu dem Schluss, das ich von dem 4k Videoschnitt auf Reisen Abstand nehme. Ich hatte das bisher immer ich nur sporadisch gemacht und nie einen kompletten ganzen Film geschnitten. Das hab ich immer lieber am großen Monitor des iMacs gemacht.

Und da mir dann auch die MacBook Pros zu schwer waren, hab ich mich (nach ein klein wenig Recherche) für ein iPad Pro entschieden. Mir war klar, dass ich mit dieser Entscheidung ein paar gewohnte Dinge über den Haufen werfen musste. Zum einen gibt es kein Dateisystem wie auf einem Desktoprechner, es funktionieren keine USB-Sticks und keine Festplatten. Weiterhin war ich darauf angewiesen, dass es für meine Anwendungsfälle die entsprechenden Apps gibt.

Was war mir wichtig

Wichtig war mir trotzdem, dass ich mir meine mit der Fotokamera geschossenen Fotos auf dem iPad anschauen und grob bearbeiten kann, um diese in den sozialen Medien zu verwenden oder jemandem zu schicken. Zusätzlich wollte ich unterwegs Texte für Videos und Blogbeiträge verfassen können. Nach Möglichkeit wollte ich auch kleine Videos für Facebook und Co. schneiden können, hier reicht ja Full HD.

Und? Ist meine Rechnung ohne Notebook unterwegs zu sein für mich aufgegangen? Ja, für mich auf jeden Fall! Um das vielleicht ein wenig besser zu verstehen, liste ich mal meine ganzen Arbeitsprozesse am iPad Pro auf:

Fotoaufnahmen anschauen und bearbeiten:

Meine SD-Karte aus der Fotokamera kann ich mittels eines Adapters (*) am iPad Pro anschliessen und die RAW-Dateien in die Fotobibliothek importieren. Hier ist es natürlich wichtig, dass das iPad eine große Speicherkapazität hat. In meinem Workflow reichen 256 GB. Die importierten RAW-Dateien kann ich nun am iPad auf Schärfe und Belichtung prüfen. Wenn ich ein Photo für die sozialen Medien bearbeiten möchte, dann kann ich das mit verschiedenen Apps tun. Zum einen nutze ich Adobe Lightroom Mobile (heute heißt es auch Lightroom CC). Hier habe ich viele Bearbeitungsmöglichkeiten, die man auch von der Desktopvariante kennt. Durch die Adobe Cloud habe ich zusätzlich die Möglichkeit, die bearbeiteten Fotos mit meinem iMac zu synchronisieren.

Lightroom Mobile am iPad Pro

Lightroom Mobile am iPad Pro

Für die schnelle Bearbeitung zwischendurch nutze ich die App Affinity Photo. Diese App ist wie eine Mischung aus einem kleinen Photoshop und Lightroom. Es gibt viele Möglichkeiten und man muss sich erstmal zurechtfinden. Aber danach geht die Bearbeitung eines Bildes flott von der Hand.

Videos anschauen und schneiden:

4k Videos auf das iPad Pro zu bekommen war schon eine größere Herausforderung. Mein Workflow sieht mittlerweile so aus, dass ich die SD-Karte mit den Videoaufnahmen auf einer WLAN-Festplatte(*) sichere. Die Platte besitzt einen eingebauten Akku und einen Steckplatz für die SD-Karte. Zum Sichern muss man nur die Karte einstecken, einen Knopf drücken…..und dann dauert es erst mal… Ich lasse das meistens Nachts laufen. Danach kann man die Platte per WLAN mit dem iPad verbinden und mit der entsprechenden App auf die Videodateien zu greifen.

Die Sicherung der Daten auf die WLAN-Platte (*) mache ich übrigens immer, auch wenn ich kein Video schneiden will. Sollte ich aber doch ein kleines Video schneiden wollen, nutze ich dafür die App Luma Fusion. Mit dieser App lassen sich wunderbar, bei sehr guter Performance, sogar 4k Videos schneiden. Die Funktionen sind auch mehr als ausreichend für unterwegs, ich kann sogar z.B. Videos mit einem Greensscreen bearbeiten (Stichwort Chroma Key).

Schreiben auf dem iPad:

Für das Schreiben von Texten für Videoskripte oder Blogbeiträge nutze ich die Notizapp Bear. Man kann hier aber auch die iOS eigene Notizapp nehmen, die reicht eigentlich völlig. Die für das iPad erhältliche Tastatur ist anfänglich etwas gewöhnungsbedürftig, nach ein paar Tagen aber gut zu nutzen. Man kann übrigens auch die Apple Bluetooth Tastaturen (*) nutzen…ist halt nur blöd mitzuschleppen.

Zu Recherchezwecken kann der Bildschirm geteilt werden. Ich nutze dann links die Notizapp und rechts z.B. den Browser Safari. In Workshops oder Veranstaltungen, in denen ich mitschreiben möchte, nutze ich auch oft den Apple Pencil (*) für handschriftliche Notizen. Mit dem Stift kann man auch wunderbar Zeichnungen anfertigen oder auch malen.

Was mache ich sonst noch mit dem iPad:

Natürlich lassen sich mit dem iPad auch wunderbar eMails bearbeiten. Ich nutze dazu Spark, da es hier zahlreiche Features gibt, die der Standard-App fehlen. Dann nehme ich auch einige Podcastfolgen mit den Tablet auf. Hierzu verwende ich die App Ferrite, mit der man auch mehrere Spuren bearbeiten und auch Editieren kann. Aufgenommen wird über einen Adapter Lighting auf USB (*) und das Rode NT-USB Mikrofon (*).

Im Zug oder Abends mal im Hotelzimmer lassen sich Serien oder Filme wunderbar per Netflix oder Amazon Prime Video schauen. Beide Anbieter haben eine App, in der sich eine bestimmte Anzahl von Titeln zur offline Konsumierung herunterladen lassen. Das Erlebnis hier finde ich weit aus besser als Serien und Filme in einem Browser am Notebook zu schauen. Und am Notebook brauche ich halt WLAN oder einen anderen Datenzugang.

Netflix am iPad Pro

Netflix am iPad Pro

Über die Kindle App habe ich Zugriff auf meine Online-Bibliothek bei Amazon und kann hier meine Bücher lesen. Auch wenn ich meinen Kindle Paperwhite (*) mag, das ist ein zusätzliches Gerät, was ich nicht mit rumschleppen möchte.

Musik hören geht auch, wie z.B. mit Spotify. Hier kann man sich auch seine Songs zur Offline-Nutzung herunterladen. Kann man natürlich mit dem Smartphone auch, am iPad kann man aber besser über die Lautsprecher hören. Das gleiche gilt natürlich auch für iTunes Music, auch hier geht die Offline-Nutzung.

Kleines Zwischenfazit

Man kann es meiner Ausführung wahrscheinlich entnehmen, dass ein iPad kein vollwertiger Notebookersatz ist. Doch in meinen Fall ersetzt es ein tatsächlich ein Notebook, weil ich meinen Workflow entsprechend dahin optimiert habe. Auch kann ein iPad viele Dinge, die ein Notebook auch kann, nur halt nicht alles. iOS bleibt halt iOS. Mir ist Größe und Gewicht aber zu wichtig, zusätzlich möchte ich nicht immer und überall meine Fotos und Videos bearbeiten können…Stichwort Entschleunigung.

Und für mich auch noch ganz wichtig: Spaß bei der Arbeit. Mir persönlich macht das Arbeiten am iPad Pro mehr Spaß als am iMac. iOS ist soviel schlanker als MacOS, irgendwie fühlt sich das arbeiten einfacher an. Ist aber sicherlich Geschmacksache. Natürlich ist FinalCutPro und Lightroom Classic bei mit nicht wegzudenken, arbeite damit auch gerne, aber das Gesamtbild gefällt mir am iPad Pro besser. Hinzu kommt, das die Performance am iPad Pro wirklich sehr, sehr gut ist. Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass ich irgendwo mehr Leistung brauche. Und habt ihr mal das 120Hz Display in Aktion gesehen? Beim Scrollen läuft das Bild wie Butter.

Aber was ist jetzt mit dem neuen 2018er iPad Pro?

Das neue iPad Pro ändert erstmal nichts großartig an den Dingen, die ich bereits erzählt habe. Es hat eine andere Form, es hat mehr Power, einen neuen Stift….uuund einen neuen Anschluss. Ich erwarte vom neuen USB-C-Anschluss mehr, als ihn nur zum Laden oder Kamera anschließen zu nutzen. Ich hoffe Apple sieht das auch so… Das man das neue iPad nun an einem Monitor betreiben kann ist schon mal ein Anfang.

Meine Hoffnung ist, dass hier zukünftig USB-Sticks, Festplatten und was weiß ich für ein Zubehör unterstützt werden. Wahrscheinlich wird dies aber erst mit der Veröffentlichung von iOS 13 möglich sein, was so erst in ca. 10 Monaten auf den Geräten verfügbar sein wird. Es bleibt spannend und vielleicht geht Apple ja den Weg, das iPad in seiner Bedienung einfach bleiben zu lassen, aber seine Funktionalität einem Notebook ebenbürtig oder besser zu machen.

Letztendlich bleibt Euch nur die Entscheidung zu treffen, ob iPad Pro oder Apple MacBook Air oder anderes Notebook. Vielleicht konnte ich Euch mit dem Video oder diesem Artikel ein klein wenig bei der Entscheidungsfindung unterstützen.

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